- Mut • Schweiß • Tränen -


ZEHN JAHRE MINISTRY


- Friede • Wachstum • Freude -

Innehalten, Zurückschauen, Würdigen

Kurze Einleitung und Ausstellung "Frisuren"

Zwischen persönlicher Sendungserfahrung, der Recherche, dem Kontakt mit Gamechurch und der Gründung eines Vereins ist es schwer, den Anfang exakt zu definieren. Ich nehme für mich den 09.09.2013 als Start und feiere demnach 10 Jahre Ministry.

Da ich jetzt 10 Jahre nonstop gegeben habe, empfinde ich als angemessen, mir etwas Zeit zu nehmen, um das Anliegen irgendwie gebührend zu feiern. Dazu habe ich ein paar Erinnerungen und Geschehnisse der letzten 10 Jahre hier in einem Zeitstrahl kommentiert - so wie sie meiner Wahrnehmung entsprechen. Mein Anliegen ist dabei, alles zu würdigen: Höhepunkte und Tiefen, Menschen, Früchte – und ausnahmsweise mal mich selbst.

Es geht nicht um die Arbeit, sondern um den, dessen Arbeit es ist; Es geht nicht um das viele Tun darin, sondern um den, durch den das Tun einen Sinn hat; Es geht nicht um die guten Ergebnisse daraus, sondern um den, durch den gute Ergebnisse und Errungenschaften überhaupt definiert sind. In allem, was es zu feiern gibt, möchte ich dir als Kontext mitgeben: Es ist Gott selbst, der gefeiert werden soll, denn ihm gebührt der Ruhm und die Ehre. Wenn jemand von meiner Arbeit profitiert hat und das Herz mag, mit dem ich die Dinge tue, die ich tue, dann soll ihm gesagt sein, dass es Gottes Anliegen und Gottes Herz ist weshalb Gutes zu beobachten ist. In allem, was es zu sagen gibt, ist dies der Rahmen und der Kern. Es steht als Anfang, es durchzieht alles und es schließt alles ab. Gott meint es durch und durch gut mit uns! Das will ich feiern.

Ich hab so viel investiert und geopfert, selbst wenn das rückblickend auch teilweise unnötig war. Dennoch ist das, was du hier liest und alles, was aus der Arbeit entstanden ist, zu einem großen Teil auch meinen tausenden Entscheidungen zu verdanken, mit großem Mut, mit Eifer und Leidenschaft, mit Team und ohne Team, mit Geld und ohne Geld, bei Aufbau und Zusammenbruch, durch freudige Gegebenheiten, in Auseinandersetzungen und über jede Entmutigung hinweg stets dranzubleiben. Dessen kann und will ich mich nicht rühmen, ich möchte es aber für mich selbst würdigen, dass ich durch alles hinweg immer wieder die Entscheidung getroffen habe, dranzubleiben. Der Ruhm gilt dem, an dem ich drangeblieben bin.

Falls du mitfeiern willst, musst du gar nicht alles lesen, was ich geschrieben habe (das ist eh viel zu viel für die meisten). Schreib mir doch gerne, was du an der Reise würdigen willst:

Teile eine Anekdote, mach Werbung für Projekte, die irgendwie von dieser Arbeit profitiert haben, schreib ein Gebet, etc. Die Sachen möchte ich hier auf der Website sammeln (s. Feiern-Button). Über jede Würdigung dieser Geschichte – egal wen oder was das betrifft – freue ich mich sehr.

Bitte schreibe mir in dem Fall an mail@danielschmidt.online

Ich danke dir für deine Zeit!

Cheers

Daniel

PS: Weitere Frisuren sind im Verlaufe der Seite zu entdecken.

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Die Story


••• Die Trolle •••

Seit ich 15 bin spiele ich CounterStrike. Meine besonders intensive Spielphase im Alter von 16-19 Jahren habe ich in besonders positiver Erinnerung. Mein Clan war wahrscheinlich die beste Repräsentation von Kirche, die ich je gesehen habe. Auch Trolle durften Teil dessen sein. Vor Augen habe ich zwei Jungs, die sich sehr gut darauf verstanden, die Atmosphäre zu vergiften, den Spielspaß zu rauben, Unfrieden im Clanforum zu stiften und doch irgendwie von allen geduldet zu werden. Dulden heißt, dass die beiden nur miteinander spielten, weil es sonst quasi niemand tun wollte. Quasi, weil ich als einer von vllt vier aus 80 Clanmembern das doch hin und wieder tat. Zu dieser Zeit hatte ich aus eigener Entscheidung mit dem Glauben persönlich nichts am Hut. Ich ging lediglich in die Kirche, weil mein Vater Jugendleiter war, aber ich setzte mich in eine Ecke und ignorierte alles oder heuchelte Interesse nur vor, indem ich mich mit dem Wissen beteiligte, dass ich seit frühster Kindheit gesammelt hatte.

Eines Tages fragten mich die beiden Jungs, ob ich noch eine Runde CounterStrike spielen wolle, woraufhin ich antwortete, dass ich jetzt zur Kirche müsse. Auf die verblüffte Nachfrage, ob ich “so ein Gläubiger” sei, erzählte ich einfach, was ich von Kind an gelernt hatte: Es geht um Beziehung und nicht darum in die Kirche zu gehen; da ist ein Gott, der dir Gutes möchte, weil er dich liebt und ihm ist egal, was du bisher gemacht hast.

Erst später verstand ich, dass ich mir an dem Tag auch selbst predigte. Im unserem TeamSpeak(TS)-Kanal passierte dabei etwas Wunderbares: aus zwei Trollen wurden für die nächste Stunde zwei interessierte Zuhörer und konstruktive Diskutierer, die sich auf höchstem Niveau plötzlich an Gesprächsregeln hielten und von sich aus ein ernsthaftes, tiefes und bedeutungsvolles Gespräch starteten.

Februar 2012 - When Love Comes to Town

Neustart mit Gott und übernatürliche Sendungserfahrung in der Nacht.

Im Schlaf wird mir die Erinnerung mit den Trollen vorgespielt. Meine Predigt rührt mich zu Tränen: Alles was ich ihnen sagte, ist die Antwort auf meine Gebetsfragen des vorangehenden Abends. Direkt im Anschluss fühle ich eine Wärme, wie eine Umarmung, aber nicht nur äußerlich, sondern mein Wesen durchdringend... Es ist, als spräche eine Stimme dazu:

„Die Liebe, die du gerade spürst, habe ich nicht nur für dich, sondern auch für deine Szene und deine Leute. Setz' dich dafür ein, dass sie meiner Liebe begegnen können.“

Ab März 2012 - Recherche

Mein Kumpel Fahl wird eingeweiht – er weist mich später auf Gamechurch hin. Ich schreibe Konzepte, sammle Bibelverse, um mein Anliegen gegen theologische Angriffe zu verteidigen (meine erste Liste habe ich oft benutzen können - ich und viele andere brauchen diese Verteidigung bis heute immer wieder...), und suche weltweit nach bereits existierenden Projekten. Die wenigen Dinge, die ich finde, zeigen vor allem eins: Christen gehen in einen neuen Bereich und bauen direkt wieder Mauern, in denen sie sich wohlfühlen und sonst niemand. Das gefällt mir nicht. Meine erste Werte-Formulierung lautet: Die Kultur muss geliebt, den Menschen dort gedient werden.

Manchmal muss man unangenehme Dinge tun, wenn man etwas erreichen will. Ich habe deshalb Facebook öffnen müssen - ihhhh - dafür aber dieses Bild gefunden: Meine erste öffentliche Deklaration, dass ich auszuleben gedenke, was ich empfangen habe. Die Mission steht klar zu lesen im Bild (To share the love he's given us!) - die Kampfansage etwas versteckter unten links: "IN YOUR FACE - A GAMER'S MISSION "

Maus und Tastatur sind noch immer im Einsatz!

Die Bibel besitze ich noch, sie wurde aber für den täglichen Gebrauch gegen eine größere Studienbibel mit Goldrand & Ledereinbund mit Reißverschluss eingetauscht - wegen des +10 Heiligkeit-Gegenstandsbonus (Seelengebunden), versteht sich.

Januar 2013 - Volle Einsatzbereitschaft

Abbruch meines ersten Studiums in Paderborn, da mein Gefühl ist, dass Gott mich in Lemgo haben will. Props an meinen Vater, der mir nicht sagt, was ich machen muss, sondern mich stattdessen ermutigt, eine Woche um die Entscheidung zu fasten.

Die Entscheidung feiere ich fastenbrechend mit Fahl bei einer Currywurst. Ab jetzt heißt es 100% Einsatz: Ich mache einen 450€-Job und investiere neben meinen Ehrenämtern in der Kirche alle übrige Zeit in das Anliegen, ein Ministry zu bauen. In dieser Phase gibt es noch keinen festen Plan und an einen Verein denke ich gar nicht, stattdessen bin ich noch in der Recherche und trainiere so sehr wie noch nie in CounterStrike – falls mein Weg über E-Sport führen sollte.

"und ich sage noch, du hast ne antenne nach oben" - Michael in einem Kommentar zu diesem Foto

09.09.2013 - Die Zeit ist reif

Kontaktaufnahme mit Gamechurch via E-Mail, die alles verändern sollte. Fahl hatte mich kurz vorher auf den Trailer hingewiesen. Ich war so überwältigt, dass ich ihn mir locker 20-mal angesehen habe. Zwei Wochen später steht bereits fest: Hier geht der Weg weiter. Ich beginne mit der Übersetzung der JFTW, helfe bei den Planungen zum Missionseinsatz bei der Gamescom 2014 und bereite mich darauf vor, im März 2014 nach Amerika zu fliegen, um alles kennenzulernen. Außerdem beginne ich mit Überlegungen, mit welchen Leuten ich ein Team bauen könnte. In einem Dokument fand ich Folgendes und musste lachen:

In der tatsächlichen Umsetzung kamen dann glücklicherweise noch ein paar Leute für das Team dazu.

Es gibt drei Personen, die ich an dieser Stelle dringend erwähnen will:

Rahel hatte mich angesprochen, ob sie mich coachen dürfe. Die ein Jahr dauernde Begleitung mit dem Fokus auf geistliche und emotionale Entwicklung tat mir sehr gut. Rahel ermutigte mich sehr zur E-Mail an Gamechurch und begleitet mich bis heute unterstützend und freundschaftlich.

Philipp begleitete mich mit der Idee des Ministries seit kurz bevor ich von Gamechurch erfuhr und half dann im Prozess der Vereinsgründung sehr. Er kam kurz nach Coachingende mit Rahel auf mich zu und fragte mich, ob er mich coachen dürfe. Auch diese Coachingbeziehung dauerte, mit Fokus auf (Selbst-)Leiterschaft, ein Jahr. Dass ich davon profitiert habe, sollte klar sein. Meine E-Mail an Gamechurch schrieb ich in seinem Büro. Bis heute freue ich mich jedes Mal, wenn wir uns kurz Treffen und über Reich-Gottes-Träume austauschen.

Zu guter Letzt möchte ich hier Alex erwähnen. Er kam kurz nach dem Coachingende mit Philipp auf mich zu und fragte, ob er mich als Coach begleiten dürfe. Das macht er (je nach Season unterschiedlich häufig) bis heute!

Danke, ihr drei, für euren Glauben und eure Bereitschaft, Segen zu sein – ich feier' euch!

13.10.2013 - Meine erste "Jesus, For The Win!"

Das erste Mal die JFTW in der Hand: Ein kleines Buch über einen Typen Namens Jesus, seine Gilde und seine ultimative Quest, eine Welt zu retten, die wir als Erde kennen.

Februar 2014 - Die erste LAN-Party

Mittlerweile hat sich ein kleines Team gebildet. Gemeinsam führen wir die Veranstaltung im Gemeindehaus der ev. ref. Kirchengemeinde St. Pauli Lemgo durch. Etwa 40 Leute kommen, um an Rechnern und Konsolen zu zocken. Das Miteinander ist großartig und als beim Abbau mehrere kirchenferne Leute rückmelden, dass sie niemals freiwillig in eine Kirche gehen würden, aber wir doch bitte Bescheid sagen mögen, wenn wir wieder was machen, ist klar: das wird was! Es ist aus meiner Sicht die Erprobung dessen, was etwa ein Jahr später die Arena werden sollte.

März 2014 - Amerika #1

Das erste Mal Amerika. Ein paar Tage vor meinem 22. Geburtstag reise ich dank meiner Ersparnisse aus dem 450€-Job nach Ventura, CA, um eine Woche mit Menschen zu verbringen, die ich aus dem Internet kenne; ein verrücktes und sehr schönes Gefühl. Bei Bridges, Buffon, Gwaltney und Knepper werde ich aufgenommen, als würde ich schon immer dazugehören. Ich lerne Menschen kennen, die leidenschaftlich zocken und leidenschaftlich von Jesus erzählen – das erste Mal seit sehr langer Zeit, dass ich mich wirklich verstanden und zuhause fühle.

An meinem 22. Geburtstag verbringe ich den gesamten Tag im Auto: wir fahren von Ventura nach Seattle. Brian macht direkt ein Video, dass ich benutzen kann, um Menschen in Deutschland die Arbeit vorstellen zu können – ich bin darauf nicht vorbereitet und improvisiere mir meinen Weg durch den Dreh. Die Spontanität und Schnelligkeit der amerikanischen Kultur soll auch für die Zukunft ein großes Lernfeld für mich bilden.

Das Team zur ECCC in Seattle

16.06.2014 - Vereinsgründung

Gründung Game Church Deutschland e.V.

Sofort beginnt die Werbung und das Fundraising für den Missionseinsatz auf der Gamescom.

August 2014 - Gamescom #1

Der erste Gaming-Missionseinsatz in Deutschland. Auf der Gamescom. Keiner weiß, was wir zu erwarten haben. Im Lesebuch, das zur Vorbereitung der EKD-Synode zum Schwerpunktthema “Kommunikation des Evangeliums in der digitalen Gesellschaft“ dient, wird Gamechurch so kommentiert, dass es nicht direkt auf den deutschen Kontext übertragbar sei. Was folgen sollte, hatte von uns auch keiner so erwartet, aber im Hinblick auf die Prognose der EKD kann ich mir einen Gegenkommentar nicht verkneifen: „Haha.“

Am ersten Tag geben wir gleich 2100 Stück raus ohne auch nur auf eine Person zuzugehen. Wir haben insgesamt nur 4000 Exemplare. An meine Unterstützer schreibe ich: „Als mir das gesagt wurde bin ich quasi zusammengebrochen! Ich wollte es erst nicht glauben, und als mir klar wurde, dass das gerade hier tatsächlich passiert ist, in dem Land und der Kultur, die ich so liebe, habe ich ziemlich geflennt! Ich bin einfach nur überwältigt.“

Am nächsten Tag sind nur noch 100 übrig. Zum Mittag des dritten Tages haben wir nichts mehr – selbst unsere eigenen T-Shirts haben wir verschenkt. Wir bauen den Stand ab und gehen Gottes Segen sowie unseren Mut bei einem gemeinsamen Essen feiern.