Über Die Zusammenhänge der Dinge, Identität & Perspektive – und warum ich (meist) kein Arschloch bin

“I’ll be back!“

Diese großen Worte schallen wie das donnernde Grollen eines sommerlichen Gewitters durch die unzähligen Hirnwindungen so vieler Menschen unseres Zeitalters. Es sind Worte die Geschichte geschrieben haben, mehr als nur ein Mal, und die nie in Vergessenheit geraten werden. Sie verkörpern einen Ausblick auf bevorstehende Zeiten und ein Versprechen, auf das es zu vertrauen gilt.
Dicht gefolgt sind sie von Worten, die möglicherweise weniger bekannt sind, aber doch dem ersten Satz seine eigentliche Relevanz zusprechen. Diese drei kleinen Worte bilden einen Satz, der mehr ist, als man vielleicht glauben mag; er verändert die Welt. Er repräsentiert eine Kraft, die da war, verloren gegangen zu sein scheint; und uns schlussendlich erlösend das Herz wärmt:

“I’m back!”

Von den Zusammenhängen der Dinge

Auf jede Aktion folgt eine Reaktion.
– Wechselwirkungsprinzip

Man kann nicht nicht kommunizieren.
– Paul Watzlawick

Als im Film ‘Lucky Number Slevin’ Mr. Smith dem in der Wartehalle sitzenden Nick Fisher den Kansas City Shuffle erklärt, fällt ein Satz, der mich sehr nachdenklich macht: “[…]Menschen, die oft außer einem kleinen Ereignis nichts verbindet.”
Wenn ich mir die Geschichte eines Menschen anhöre oder -schaue, fällt mir immer wieder auf, dass es eine Art roten Faden gibt. Selbst wenn Vieles sehr zufällig aussieht, scheint es rückblickend immer eine kleine Stelle der Überschneidung zu geben, sodass sich eine Verkettung bildet. Ob ich Nachrichten schaue, Facebook browse oder mich in der Kneipe unterhalte: überall sehe ich Menschen, die eine Geschichte haben und von ihr geprägt sind. Man könnte sich nun fragen, warum ich so etwas Offensichtliches überhaupt erwähnen sollte, und dennoch möchte ich einen speziellen Fokus darauf legen. Immer wieder lässt sich beobachten, dass sich scheinbar sehr wenig Menschen die Frage stellen, wodurch ihr Handeln beeinflusst wird. Aus den Überlegungen, ob eine Aktion nicht viel mehr eine Reaktion ist und dass wir stets kommunizieren, also immer auf irgendetwas reagieren, ergibt sich die Frage, ob diese Reaktion so überhaupt gewollt ist, da wir oft die Einflüsse auf unser Handeln gar nicht bemerken.

Es gibt eine Karikatur auf der zu sehen ist wie ein Politiker danach fragt, wer Veränderung möchte, woraufhin sich das gesamte Publikum meldet. Gleich danach fragt er nach der Bereitschaft, sich selbst zu ändern. Das Resultat ist ein Raum voller Menschen, die zu Boden schauen – lediglich eine Fliege fliegt munter umher.
Dies, so scheint mir, ist ein generelles Problem unserer Gesellschaft. Das müsste eigentlich insgeheim auch jeder wissen, der schon mal irgendwie mit Menschengruppen zu tun hatte, in denen man sich nicht gut genug kannte, um über Persönliches zu sprechen; oder in denen man sich so gut kannte, um zu wissen, dass man sich den anderen gegenüber bloß nicht verletzlich machen sollte; oder in denen man sich trifft, um der Tristesse des eigenen grauen Alltags zu entfliehen, indem man sich alles Andere noch grauer malt. Wie dem auch sei, es scheint viel einfacher zu sein, sich über die Probleme und Fehler anderer zu informieren, auszutauschen und zu echauffieren. Zusammen kann man lästern und lästern ist ja auch viel zu schön, als dass man es dann doch lassen könnte. Falls mal ein Trend auftaucht, den die restliche Gruppe – oder mindestens ihr meist inoffizieller Anführer – Positiv bewertet, ist man dann auch lieber dabei, denn mit ein wenig Glück könnte ja sogar noch bisschen Anerkennung rausspringen. So ist man beispielsweise Charlie Hebdo, dann ein Regenbogen und danach ein Mensch, der auf digitalem Weg Flüchtlinge begrüßt, während man sich nebenbei in einer Whatsappgruppe über das Gutmenschentum aufregt. Am Ende des Tages ist die Hauptsache, dass man selbst nicht der Arsch war – zum Glück hat sich wieder jemand reingeritten, es wäre heute sonst auch wirklich zu langweilig gewesen.

Identität & Perspektive

In Deutschland existiert eine fehlerorientierte Gesellschaft, die – wenn sie das Gute tut – dies nicht macht, weil es Gut ist, sondern weil es schlecht wäre, das Gute nicht zu tun. Wir sind es so satt, von unseren Eltern, Lehrern und dem überbezahlten Boss an unsere Schwächen erinnert zu werden, dass wir dies auch wiederum nur durch das Fokussieren der Schwächen anderer Menschen kompensieren können.
Wie oben angedeutet, sind wir an diesem Punkt nicht ohne Grund. Am Anfang war die Aktion und auf sie folgte die Reaktion. Manchmal mögen wir unsere Reaktion gar nicht wahrnehmen, aber sie ist dennoch existent. So gibt es eine Geschichte, die den jetzigen Zustand erklärt. Wenn ich mit diesem Zustand nicht zufrieden bin, kann ich zum Einen in die Vergangenheit sehen und mir die Ursache anschauen, und ich kann zum Anderen entdecken was ich ändern muss, damit sich auch der Zustand verändert. Viele Menschen haben eine Meinung – auch hier ist es immer sehr interessant zu schauen woher sie stammt, man könnte sagen, dass sie die Reaktion auf gewisse Aktionen ist – aber nur wenige Menschen vermögen es, ihre Meinung in eine Aktion zu verwandeln. (…oder geht das überhaupt? Liebe Grüße vom konsequenten Konstruktivismus – er ist auf der Suche nach seinem freien Willen, der ihm das Recht gab, sich selbst eine Meinung zu machen.)

“Aber Daniel, bisher hast du nur über andere Leute geredet und genau das getan, was du an ihnen kritisierst – und ich habe außerdem keine Ahnung auf was du überhaupt hinaus möchtest.”
– wahrscheinlich du

Das ist absolut richtig, und okay so, aber dabei will ich es nicht belassen. Eine meiner größten Leidenschaften ist es, Bilder neu zu schaffen, sie umzugestalten und ihnen eine andere Ebene zu verleihen. Dabei beziehe ich mich nicht auf Bilder auf Leinwand oder Papier, sondern auf die Einstellungen und Meinungen der Menschen, die in ihren Köpfen ein bestimmtes Bild ergeben – vielleicht ist es mein Ziel genau das Bild in deinem Kopf zu schütteln.

Ich versuche, in meinem Leben jedem Menschen auf seiner Ebene zu begegnen, also rücksichtsvoll mit ihm, seiner Geschichte, Einstellung und derzeitigen Situation umzugehen. Ich will dein Bild dekonstruieren, weil ich der Überzeugung bin, dass es für dich eine unglaublich bereichernde Sache ist. Aber ich glaube auch, dass sich Viele dies zu tun nicht selbst trauen, weil sie ihre Identität in einem festen Bild haben, von Gott oder der Welt, das keinen Spielraum und keine Freiheit für Fehler im eigenen Denken lässt. Das Problem daran ist, dass ein zerstörtes Bild auch den Untergang der Identität bedeuten würde. Und wenn das der Fall ist, stellt man sich lieber quer und ist dickköpfig, weil es viel einfacher zu ertragen ist, andere zu belehren als sich neu mit seinen alten Überzeugungen und Verletzungen auseinander setzen zu müssen. Um das zu beschützen sind auch alle Quellen und Verbündeten recht:
Dann sind Atheisten & Christen gemeinsam gegen Muslime, die ja eh alle Jihadisten sind.
Dann sind Muslime & Atheisten gegen Christen, die ja eh alle nur die neue Rechte bilden.
Dann sind Christen & Muslime gegen Atheisten, die ja eh alle gottlos die Gesellschaft und sich selbst zur Hölle fahren.

Damit mein Vorhaben also überhaupt fair möglich ist, ohne der Realität zu entfliehen, muss ich auch regelmäßig mein eigenes Bild dekonstruieren. Ich hinterfrage immer wieder was ich glaube und warum ich es tue, um lebendig zu bleiben, mich also beispielsweise nicht in Ideologien festzufahren. Ich möchte nie davon ausgehen, alles zu wissen oder verstanden zu haben. Ich möchte nie meinen, ein besserer Mensch zu sein. Ich glaube, dass jeder von jedem lernen kann, da kein Mensch gleich ist und niemand den identischen Lebensweg wie ein Anderer hinter sich hat. Ich möchte nach dem Schatz im Anderen suchen.

Und hier liegt der Knackpunkt, denn ohne Dialog herrscht Stagnation.

Warum und wie ich (meist) kein Arschloch bin

„Macht mir doch bitte meine Kultur nicht kaputt, man!“

Vielleicht hast du diesen Satz auch schon gedacht oder gesagt. Es gibt so viele Dinge, die man mag und dann kommen Leute, die das auch mögen, aber in einer Sache voll blöd sind und dann denken alle, man selbst sei auch voll blöd, deshalb muss an sich dann rechtfertigen und distanzieren. Die Crossfitter machen die Pumper-Szene kaputt; Die Veganer die Grillsaison; Die Christen so ziemlich alles; Und die Investoren mit den vom Geld angezogenen Erfolgsfans die Traditionsclubs. Alles geht kaputt.

Die Welt ist komplett durchmischt, es gibt kaum klaren Grenzen mehr und die werden immer trüber. Wenn wir nicht lernen, mit unserem Nächsten in Dialog zu treten, können wir nur verlieren. Ironischer Weise werden wir, wenn wir Gemeinschaft verweigern, gemeinsam in Chaos untergehen! Und ich weiß, dass es schwer ist, aber:

Eines der größten Probleme unserer Zeit ist, dass wir Menschen unser Möglichstes tun, um unsere Aufmerksamkeitsspanne zu verringern und uns so schneller als je zuvor persönliche angegriffen zu fühlen, während die Lösungen der Herausforderungen, denen wir gegenüberstehen, nicht in eine Box von maximal 140 Zeichen passen.
– Ich, proud af, einen solchen Satz formuliert zu haben (:D) [‚af‘, engl., = etwa ’sehr viel‘] -heftige Anmerkung: Ja ich weiß, dass Antworten wie „Jesus“ passen würden. Darum geht’s gerade nicht-

Der „kleine Mann“, wie man ihn so nett bezeichnet (und ich meine nicht den Penis), hat in dieser, einer sehr komplexen Welt, also meiner Meinung nach besonders eine Aufgabe und nur darin Chance, seine eigene kleine Welt nicht vor die Hunde gehen zu sehen: Er muss den Dialog suchen, möglichst viele Perspektiven kennen lernen und durch diesen Prozess möglichst viele Beziehungen aufbauen. Blöd ist halt, dass das die Meisten Leute sogar wissen. Die Reportage der ARD über das „Nazidorf Jamel“ muss man sich echt nicht anschauen, aber ganz am Ende fällt dieser Satz:

Wenn man sie erstmal kennt kann man sie ja nicht mehr hassen.
– Der Boss des Dorfes

Genau so ist es. Genau deshalb sind Vorurteile so schlimm. Genau deshalb ist Dialog so wichtig!

Ich kenne die obenstehenden Aussagen auf mein eigenes Umfeld bezogen, “Gamer & Christ – (wie) geht das zusammen?” beispielsweise.

Es gibt “eine Geschichte, die den jetzigen Zustand erklärt.” Ich war mit dem jetzigen Zustand nicht einverstanden, sodass ich also nach einer Möglichkeit gesucht habe, diesen zu ändern. Der Zustand ist in meinem Fall, dass in der Gesellschaft ein Bild des Christentums präsent ist, dass ich so nicht bestätigen kann. Als Ursache dessen ist meiner Meinung nach das Christentum selbst verantwortlich, das sich in der Vergangenheit und bis heute immer wieder abgeschottet, oder – viel schlimmer noch – Spaltung gebracht hat. Ich habe nun, da ich eine Meinung hatte, nach einer Möglichkeit gesucht, diese “Meinung in eine Aktion zu verwandeln.”, woraus schlussendlich der GameChurch Deutschland e.V. entstand.
In diesem Rahmen habe ich einerseits die Möglichkeit, die Botschaft meiner Wahl (Jesus liebt dich und möchte dir begegnen!) in der Kultur zu verbreiten, der ich schon mein ganzes Leben angehöre und die ich sehr liebe. Gleichermaßen habe ich auch eine Möglichkeit, aktiv an dieser Kultur, die weiß Gott nicht nur von Glanz und Glorie ummantelt ist, mitzuwirken und sie um- und mitzugestalten. Hier möchte ich, für den, der noch nichts über GameChurch gehört hat, gerne betonen, dass ich dabei niemanden “überzeugen“, „abwerben“ oder „konvertieren” kann und will – und genau deshalb muss ich auch niemandem etwas aufzwingen. Dennoch: Nur Menschen, die in einen Dialog treten, haben die Chance, einen größeren Horizont zu bekommen. Einfach mal über seinen Schatten springen, einfach mal Spannung aushalten, einfach mal kein Arschloch sein. Am Ende des Tages können wir ja nach wie vor verschiedene Ansichten haben, aber wir sind als Menschen einen Schritt aufeinander zugegangen; einen Schritt in die richtige Richtung!

Ein neuer Versuch

Wenn du mich jetzt also erneut fragst, was Gaming und Glauben verbindet, dann kann ich nur grinsend antworten, dass ich die legitime Verbindung bin. Meine Geschichte hat mich an den Punkt gebracht, diesen Text zu schreiben und die Deine hat dich dazu gebracht, den Text zu lesen. Wie viel Prozent der Menschen lesen wohl diesen Text? Es ist irrwitzig, dass Mr. Smith Recht hat, wenn er sagt, dass uns außer einem kleinen Ereignis nichts verbindet. Und doch verbindet uns etwas! Es sind die vielen kleinen Verbindungen, die diesem Text einen roten Faden verleihen. Es sind die kleinen Verbindungen in deinem Leben, die dich am Anfang des Textes an den Terminator denken ließen, während ich einen Kansas City Shuffle durchführte, indem ich dort mit dem Bild in deinem Kopf spielte, als ich eigentlich von Jesus schrieb.

“Wir können nicht nicht kommunizieren” und “Jede Aktion hat eine Reaktion”.

Wer weiß wie alles bei dir zusammenhängt, aber für mich steht fest, dass jeder Mensch ein relevanter Zusammenhang zweier Dinge sein kann, egal wie weit entfernt sie aus meiner Perspektive zu sein scheinen. Und wenn du dennoch einer anderen Meinung bist oder dich fragen solltest, ob sich mein Lieblingsspiel “Counter Strike” nicht mit den pazifistischen Botschaften Jesu in die Haare bekommt, ob mein Glauben vielleicht doch aus mehr als nur Verboten besteht, oder ob Jesus sogar vielleicht mit dir zocken würden, wenn er heute so richtig, ganz real und menschlich hier wäre, dann fordere ich dich heraus, daraus eine Aktion zu machen und den Dialog zu suchen. Wer weiß warum ausgerechnet dieser eine Mensche kein Fleisch ist? Wer weiß warum ausgerechnet dieser eine Mensch seine Heimat verlassen hat, um nach Deutschland zu kommen? Wer weiß – vielleicht stellen wir ja gegenseitig den Zusammenhang zu unseren ungeklärten Fragen dar. Gehen wir doch auf einander zu; starten wir doch einen neuen Versuch!

Ach ja, spätestens bei der Frage, was ein „Kansas City Shuffle“ ist, solltest du den Film „Lucky Number Slevin“ schauen. Alternativ lies den kurzen Wiki-Artikel – aber Vorsicht: enthält Spoiler!

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