Im Alter von 15 Jahren fühlte ich mich nicht wohl. In der Schule wurde auf mir rumgehackt und in der Gemeinde fühlte ich den Druck, als Sohn eines Leiters der perfekte Christ sein zu müssen. Nirgends spürte ich die Offenheit, einfach sein zu dürfen. Das änderte sich, als ich kurz vor meinem 16 Geburtstag einem Clan beitrat, um mit anderen CounterStrike zu spielen.

Mein Charakter und meine Wahrnehmungen, für die ich in der Schule Sprüche und “freundschaftliche” Schläge kassierte, wurden hier dankend angenommen. Meine Fähigkeiten, mit Menschen mitzufühlen und meine Leidenschaft, Menschen zusammenzubringen, dienten der Gemeinschaft. Ich wurde ermutigt, ich gehörte dazu. Unser Gott war das Zocken, gemeinsam zu wachsen und Spaß zu haben war die Mission. Wir waren so verschieden, aber darin waren wir eins; selbst Trolle durften Teil des Ganzen sein (auch wenn sie alle Nase lang temporäre Banns bekamen). Wir waren nicht perfekt, aber wir wollten gemeinsam etwas Großes schaffen.

Naja, und wenn ich jetzt über mein Kirchenverständnis nachdenke, fühle ich mich auf rein weltlicher Ebene stark an meine Erfahrungen aus dieser Zeit im Clan erinnert. Zwar ist der Gott, von dem ich heute erzähle, so viel besser, als der den ich damals angebetet habe. Und die Mission, die zwar je nach Betrachtung in gewisser Weise gleich geblieben sein mag, ist in ihrer Auswirkung doch schöner als damals, weil sie ganzheitlicher das Gute sucht. Aber was die Einheit und das Miteinander betrifft, kann die Kirche, nach der ich mich sehne, noch viel von meinem Clan lernen.

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