Wir hören nicht auf zu spielen, weil wir alt werden – wir werden alt, weil wir aufhören zu spielen.

Ich habe absolut keine Ahnung wer das zuerst gesagt hat.

Vorgestern habe ich einen Text gelesen und einen Film geschaut. Am Morgen las ich den philosophische Essay „Das Absurde“ von Thomas Nagel und am Abend sah ich die Komödie „Catch Me!“. Man würde vermuten, dass die beiden Dinge kaum weiter von einander entfernt sein könnten, aber dem ist natürlich nicht so.

Das Absurde

Nagel stellt, genau wie sein französischer Kollege Camus fest, dass dem Menschen etwas innewohnt, dass sie „das Absurde“ nennen. So hab ich die beiden verstanden:

Nach Nagel ist das Absurde die Fähigkeit des Menschen, sich selbst in Gedanken zu transzendieren, was ihm schlussendlich nichts bringt, weil er es eben nur gedanklich kann. Laut Camus ensteht das Absurde „aus dem Zusammenstoß zwischen dem Ruf des Menschen und dem vernunftlosen Schweigen der Welt“. Die einzige klare Gewissheit der Welt sei, dass dem Menschen einerseits ein Verlangen nach Absolutem und Einheit, sowie andererseits ein Unvermögen inne liegt, die Welt auf ein rationales, vernunftgemäßes Prinzip zurückzuführen. Das Absurde ist, dass sich der Mensch nach einer tieferen Bedeutung der Existenz sehnt, die Antwort aber nicht aus der Welt ableiten kann.

Camus Antwort ist Trotz und Stolz: mit der inneren Zerrissenheit leben und ihr standhalten, ohne gläubig zu werden oder sich umzubringen – die Größe eines Menschen misst sich daran, wie lange er diese Rebellion leben kann. Ein ziemlich düsterer Gedanke, wie ich finde.

Das Problem von Camus und Nagel ist, dass beide leider nach einem Sinn in der Welt suchen, während das Absurde bereits besagt, dass der Sinn nicht in der Welt gefunden werden kann, da der Ruf des Menschen die Welt übersteigt. Es geht nicht um einen Sinn von innen, sondern um einen Sinn von außen. Mehr dazu hier.

Glücklich leben

Nagels Antwort ist meiner Meinung nach zwar auch nicht optimal, weil sie ebenso das eigentlich Elementare einfach ignoriert, aber wenigstens ist sie der menschlichen Handlungspsychologie entsprechend lebensbejahend: die Erkenntnis unserer menschlichen Grenzen muss „kein Anlass zur Seelenqual sein, wenn wir es nicht dazu machen“ – wenn eh alles sinnlos ist, dann ist es auch die Seelenqual.

Nagel zitiert auch Hume – und der fast es gut zusammen:

„Da die Vernunft unfähig ist, diese Wolken zu zerstreuen, so ist es ein glücklicher Umstand, dass die Natur selbst dafür Sorge trägt und mich von meiner philosophischen Melancholie und meiner Verwirrung heilt, sei es, indem sie die geistige Überspannung von selbst sich lösen lässt, sei es, indem sie mich aus ihr durch einen lebhaften Sinneseindruck, der alle Hirngespinste verwischt, gewaltsam herausreißt. Ich esse, spiele Backgammon, unterhalte mich, bin lustig mit meinen Freunden. Wenn ich mich so drei oder vier Stunden vergnügt habe und dann zu jenen Spekulationen zurückkehre, so erscheinen sie mir so kalt, überspannt und lächerlich, dass ich mir kein Herz fassen kann, mich weiter auf sie einzulassen.“

So zumindest habe ich die beiden also verstanden. Wenn wir uns die Qual einfach sparen können, folgt daraus eben die handlungspsychologische Erkenntnis, dass wir Dinge tun, die unsere Bedürfnisse erfüllen und wenigstens einem der Handlungsmotive Leistung, Anschluss, Macht folgen.

Das Leben im Rahmen meiner Möglichkeiten zu genießen, kann ich absolut wissenschaftlich als Essenz unseres Lebens ableiten. Der Mensch ist so geschaffen, dass er sich wohl fühlen will. Dazu braucht es verschiedene Dinge und die sind typisch für Spiel. Spielen macht uns lebendig!

Sich selbst ernst zu nehmen, bedeutet manchmal, alles andere nicht so ernst zu nehmen.

Und hier kommen wir zu dem Film. Dort wird fleißig zitiert: „Wir hören nicht auf zu spielen, weil wir alt werden – wir werden alt, weil wir aufhören zu spielen.“ Logisch lautet die Frage der Protagonisten selbst in den von der Gesellschaft als ernsthaft definierten Situationen in etwa: Spielst du, oder bist du alt geworden?

Im Film fördert dieses spielerische Verhalten völlig natürlich Kreativität, Beziehung und Lebensfreude. Klar, manche Sachen sind auch bescheuert – es ist halt ne Komödie. Aber die Männer, auf denen dieser Film basiert, haben es verstanden: Wir brauchen mehr spielerische Leichtigkeit in unserem Leben, denn wenn man nicht spielt, lebt man dann überhaupt noch?

Mit spielerischer Leichtigkeit in eine glanzvolle Zukunft

Ich träume von einer Gesellschaft, die die lebensfrohe Leichtigkeit des Spielens wiederentdeckt hat und systemrelevant integriert. Ich möchte gerne erleben, wie es ist, wenn ganze Generationen von Spielern heranwachsen. Ich glaube, dass wir erleben werden, dass Depressionen und Gewalt gen Null streben, während Kunst, Kultur, Wissenschaft und Wirtschaft aufblühen. Ich glaube, dass es mehr für die Einheit der menschlichen Spezies tun wird, als die erfolgreichsten politischen Bewegungen gemeinsam.
Das ist eine Zukunft, für die ich gerne arbeite.

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